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Forschungs­paper auf Englisch schreiben – Schritt für Schritt für Nicht‑Muttersprache

Schwierigkeiten beim akademischen Schreiben? Befolgen Sie diesen praktischen, schrittweisen Leitfaden speziell für Nicht‑Englischsprachige.

7 Min. Lesedauer

So deine Forschung ist solide. Die Experimente lieferten Ergebnisse, die Daten sind sauber und du hast etwas Echtes zu sagen. Doch sobald du dich hinsetzt, um den Aufsatz tatsächlich zu schreiben – auf Englisch – passiert etwas Seltsames: Die Worte kommen nicht. Du zweifelst an jedem Satz. Du fragst dich: Ist das überhaupt der richtige Weg, es auszudrücken?

Du bist nicht allein. Viele Nicht‑Muttersprache‑Forscher, mit denen ich zusammengearbeitet habe, fühlen denselben Druck. Die Wissenschaft ist die harte Seite. Über sie zu schreiben sollte es nicht sein. Aber die Wahrheit? Für Nicht‑Muttersprache‑Sprecher ist Schreiben oft der schwierigste Teil.

Hier kommt die gute Nachricht: Einen Forschungsaufsatz auf Englisch zu verfassen ist eine erlernbare Fähigkeit. Es ist keine Zauberei, sondern ein Prozess. Diese Anleitung erklärt Schritt für Schritt, wie du vorgehst.

Schritt 1: Zuerst die Struktur richtig festlegen

Bevor du einen einzigen Satz schreibst, skizziere den Skelett deines Aufsatzes. Akademische Arbeiten folgen einem vorhersehbaren Muster. Du musst keine neue Struktur erfinden – wähle einfach eine, die bereits funktioniert.

Die meisten Forschungsarbeiten nutzen das IMRaD‑Modell:

  • Introduction
  • Methods
  • Results
  • and Discussion

So ordnest du es:

Introduction
Why does this matter?
Methods
What did you do?
Results
What did you find?
Discussion
What does it mean?

Schreibe einen Stichpunkt unter jede Sektion – nur die Kernbotschaft. Das ist deine Landkarte. Wenn du deinen Aufsatz in vier Stichpunkten erklären kannst, bist du bereit zum Schreiben.

Schritt 2: Die Abschnitte nicht der Reihe nach schreiben

Hier ein Trick, den viele Muttersprachler nicht verraten: Beginne nicht mit der Einleitung.

Das ist die schwierigste Passage. Starte mit dem Abschnitt, den du am besten kennst.

Beginne mit Methoden

Der Methodenteil ist am einfachsten. Du hast die Arbeit erledigt. Beschreibe sie schlicht. Verwende kurze, klare Sätze.

Statt: „An analysis was conducted on the collected samples to determine...“

Schreib: „We analyzed the samples using...“

Halte es simpel. Vergangene Zeit. Aktive Stimme, wo möglich.

Schreibe anschließend die Ergebnisse

Ergebnisse sind reine Fakten. Keine Meinungen, keine Erklärungen. Beschreibe einfach, was deine Daten zeigen.

Beispiel: „The treatment group showed a 23 % improvement in recovery time compared to the control group (p < 0.05).“

Halte dich an: Das geschah. Das geschah. Keine Kommentare.

Gehe dann zur Diskussion

Hier erklärst du, was deine Ergebnisse bedeuten. Vergleiche sie mit früheren Studien. Erkenne Einschränkungen an. Schlage nächste Schritte vor.

Eine einfache Struktur für jeden Absatz:

  1. Finde deine Erkenntnis darlegen
  2. Sie mit bestehender Forschung vergleichen
  3. Warum das wichtig ist erklären

Bewahre die Einleitung für zuletzt auf

Wenn du alles andere geschrieben hast, weißt du genau, was du einführen willst. Schreibe die Einleitung zuletzt, nicht zuerst. Das ist viel einfacher, wenn du bereits die ganze Geschichte kennst.

Schritt 3: Schreib wie du sprichst (aber etwas formeller)

Nicht‑Muttersprache‑Sprecher fallen oft in die Falle: Große, komplizierte Wörter zu benutzen, um „akademisch“ zu wirken. Nicht.

Klare Sprache ist kluge Sprache. Nutze einfache Satzstrukturen. Kurze Sätze sind völlig in Ordnung. Ein Absatz mit einer Mischung aus kurzen und mittleren Sätzen klingt natürlich.

Vorher (überkompliziert): „The implementation of the aforementioned methodology resulted in a substantial augmentation of the measured variables.“

Nachher (klar): „This method increased the measured values significantly.“

Wenn du es in weniger Worten sagen kannst, sag es in weniger Worten.

Schritt 4: Beherrsche die Kunst der Übergänge

Der häufigste Fehler, den ich sehe? Ein Satz nach dem anderen ohne jegliche Verbindung. Dein Leser sollte einen natürlichen Fluss spüren.

Verwende Signpost‑Phrasen:

  • „However…“ (Kontrast zeigen)
  • „In addition…“ (Information ergänzen)
  • „To test this…“ (Einen Schritt erklären)
  • „As a result…“ (Folge aufzeigen)
  • „For example…“ (Beweis geben)

Übertreibe es nicht – ein Übergang pro Absatz reicht meist. Genau genug, um den Leser zu führen.

Schritt 5: Vermeide die häufigsten Grammatikfallen

Drei Grammatikprobleme stören Nicht‑Muttersprache‑Schreiber mehr als alles andere. Behebe diese, und dein Schreiben verbessert sich sofort.

1. Artikelverwirrung (a/an/the)

Allgemeine Regel: Verwende „the“, wenn der Leser genau weiß, worauf du dich beziehst. Nutze „a/an“, wenn es eines von vielen ist.

  • „We collected the samples from the lab.“ (spezifische Proben, spezifisches Labor)
  • „A researcher should always verify the results.“ (jeder Forscher, spezifische Ergebnisse)

2. Wortstellung in Fragen

Schreibe zuerst Aussagen. Formuliere sie nur dann zu Fragen, wenn nötig.

Aussage: „The model predicts temperature changes.“ Frage: „Does the model predict temperature changes?“

Halte Subjekt und Verb nah beieinander.

3. Präpositionen (in, on, at, for, with)

Hier gibt es keine schnelle Lösung – Präpositionen brauchen Übung. Aber ein Anfang:

  • „In the study“ (innerhalb der Studie)
  • „On page 5“ (spezifischer Ort)
  • „At 25 °C“ (spezifischer Punkt)
  • „For three weeks“ (Dauer)
  • „With the method“ (etwas benutzen)

Führe eine Liste häufiger Präpositionspaare. Ergänze sie jedes Mal, wenn du einen akademischen Artikel liest.

Schritt 6: Nutze Vorlagen für Satzmuster

Du musst nicht jeden Satz neu erfinden. Akademisches Schreiben nutzt vorhersehbare Muster. Lerne sie. Verwende sie.

Für die Zielbeschreibung:

  • „The aim of this study was to…“
  • „We investigated whether…“
  • „This paper examines the effect of…“

Für Ergebnisdarstellung:

  • „We found that…“
  • „The data suggest that…“
  • „There was a significant difference between…“

Für die Diskussion von Einschränkungen:

  • „One limitation of this study is…“
  • „These findings should be interpreted with caution because…“
  • „Future research could address…“

Halte einen Ordner mit diesen Mustern bereit. Stehle sie aus Papieren, die du bewunderst. Passe sie an deine Arbeit an.

Schritt 7: Bearbeite in Schichten

Versuche nicht, alles auf einmal zu korrigieren. Bearbeite in drei separaten Durchgängen.

Durchgang 1: Struktur und Logik

  • Gibt jeder Absatz eine klare Aussage?
  • Fließt das Argument von Anfang bis Ende?
  • Fehlen Abschnitte?

Durchgang 2: Sprache und Grammatik

  • Prüfe Artikel, Präpositionen und Wortstellung.
  • Lies jeden Satz laut. Klingt er natürlich?
  • Kürze Sätze länger als 30 Wörter.

Durchgang 3: Formatierung und kleine Details

  • Überprüfe deinen Zitierstil.
  • Stelle sicher, dass alle Abbildungen und Tabellen korrekt beschriftet sind.
  • Lies das gesamte Papier noch einmal durch.

Mache zwischen den Durchgängen eine Pause. Frische Augen entdecken mehr Fehler.

Praktisches Beispiel: Vorher und Nachher

Lass mich zeigen, wie das in der Praxis aussieht.

Vorher (typischer Entwurf eines Nicht‑Muttersprache‑Sprechers): „The experiment was performed by using three different types of catalyst which were prepared according to the method which was described previously by Smith et al. and we observed the following results: the temperature increased significantly.“

Nachher (gleicher Satz, bereinigt): „We performed the experiment with three catalysts, prepared using the method described by Smith et al. We observed a significant increase in temperature.“

Kurz. Klarer. Selbstbewusster.

Abschließende Gedanken

Ein Forschungsaufsatz auf Englisch zu schreiben bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es geht um Klarheit. Deine Leser wollen deine Ideen verstehen, nicht dein Vokabular bewundern.

Konzentriere dich zuerst auf die Struktur, dann auf die Sprache. Verwende einfache Sätze. Lerne die Muster. Bearbeite in Schichten.

Am wichtigsten: Schreibe zunächst schlecht. Bringe deine Ideen aufs Papier. Dann korrigiere sie. Der erste Entwurf darf unordentlich sein – das ist der Zweck des Editierens.

Die Welt braucht deine Forschung. Lass die Sprache nicht zur Mauer werden, die sie versteckt.

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