I erinnere mich noch genau an den ersten Versuch, The Economist zu lesen. Ich war überzeugt – schließlich lernte ich schon seit Jahren Englisch. Nach drei Absätzen fühlte ich mich plötzlich blockiert: die Sätze waren lang, das Vokabular dicht und jeder Artikel schien anzunehmen, dass ich bereits über den Hintergrund Bescheid wüsste. Fast wollte ich aufgeben.
Doch so kam es nicht. Und diese Entscheidung veränderte meine Art zu lesen für immer.
The Economist gehört zu den besten Ressourcen für fortgeschrittene Englischlerner – aber nur, wenn man weiß, wie man sie nutzt. Wenn du einfach ein Artikel öffnest und ihn wie eine Zeitschrift liest, wirst du schnell frustriert sein. In diesem Leitfaden zeige ich dir eine praktische Methode, die wirklich funktioniert.
Warum The Economist deine Zeit wert ist
Die meisten Lernmaterialien für Englisch sind vereinfacht. Sie lehren das Grundgerüst, bereiten dich aber nicht auf echtes Englisch vor – wie es in Fachzeitschriften, Geschäftsberichten oder seriösen Nachrichten vorkommt.
The Economist ist anders. Die Autoren verwenden präzises Vokabular, komplexe Satzstrukturen und eine breite Palette kultureller sowie politischer Referenzen. Wenn du lernst, ihn bequem zu lesen, verbesserst du nicht nur dein Englisch – du beginnst auch, in Englisch zu denken.
Die Zeitschrift hat zudem einen eigenen Stil: trockener Humor, clevere Wortspiele und ein selbstbewusster Ton. Dieses Gespür für den Ton ist an sich schon eine Fähigkeit.
Ein Abonnement ohne das Budget zu sprengen
Sei ehrlich: The Economist kostet viel. Ein Vollabonnement kann über 200 £ pro Jahr kosten. Es gibt aber günstigere Wege.
Der Studentenrabatt ist die beste Option. Mit einer Student*innen‑E-Mail (.ac.uk, .edu oder ähnlich) bekommst du ein digitales Abonnement für rund 1 £ pro Woche – weniger als eine Tasse Kaffee.
Die Testphase funktioniert ebenfalls. The Economist bietet kostenlose Probeabonnements – in der Regel 4 bis 6 Wochen. Wenn die Probe endet, schicken sie oft ein Rabattangebot, um dich zu halten. Du kannst diesen Zyklus alle paar Monate mit einer anderen E‑Mail wiederholen.
Der Audio-Option sei nicht übersehen. Für ein paar Pfund mehr pro Monat erhältst du komplette Audio-Versionen aller Artikel. Das ist Gold für das Hörverständnis. Lies gleichzeitig mit und verbessere deine Aussprache sowie deinen Rhythmus auf natürliche Weise.
Eine Lesemethode, die wirklich bleibt
Hier liegt der Fehler, den die meisten Lernenden machen: ein Artikel wird einmal gelesen, unbekannte Wörter werden nachgeschlagen und dann weitergemacht. Nach einer Woche weiß man kaum noch etwas davon.
Versuche stattdessen diese dreistufige Methode.
Schritt 1: Struktur skimmen (5 Minuten)
Bevor du dich vertiefst, lies die Überschrift, die Unterüberschriften und den ersten Satz jedes Absatzes. Frage dich: Worum geht es in diesem Artikel? Was ist die Meinung des Autors?
Das aktiviert dein Gehirn. Du triffst weniger Überraschungen und dein Verständnis springt an.
Schritt 2: Langsam lesen mit Notizbuch (15–20 Minuten)
Jetzt liest du den Artikel langsam – nicht übermäßig, sondern so, dass du jedes Wort wahrnehmen kannst.
Wenn ein unbekanntes Wort auftaucht, greif erst nicht sofort zum Wörterbuch. Versuche zunächst, die Bedeutung aus dem Kontext zu erraten. Schreibe es auf. Prüfe das Wörterbuch erst, nachdem du deine Vermutung abgegeben hast.
Diese Gewohnheit trainiert dein Gehirn, mit unbekanntem Vokabular umzugehen, ohne in Panik zu geraten – eine entscheidende Fähigkeit für Prüfungen wie IELTS oder TOEFL.
Schritt 3: Überprüfen und wiederverwenden (10 Minuten)
Das ist der Schritt, den die meisten überspringen. Nach dem Lesen machst du zwei Dinge:
- Schreibe einen zusammenfassenden Satz für jeden Absatz in deinen eigenen Worten.
- Nutze drei neue Wörter aus dem Artikel in eigenen Sätzen – über dein eigenes Leben, nicht über das Thema des Artikels.
So zwingst du dein Gehirn, passives Vokabular aktiv zu machen.
Welche Abschnitte sind für Lernende am besten?
Nicht alle Economist-Abschnitte sind gleichermaßen nützlich.
Leaders (die Meinungssektion) sind hervorragend. Sie sind kurz, gut argumentiert und voller rhetorischer Mittel. Du lernst, wie man einen überzeugenden Argumentationsstrang auf Englisch baut.
The Briefing taucht tief in ein Thema ein. Die Sprache ist anspruchsvoll, aber der Kontext wird klar erklärt. Perfekt zum Aufbau fachspezifischen Vokabulars.
Culture und Books & Arts nutzen mehr beschreibende Sprache und kulturelle Referenzen. Ideal für Idiome und literarische Ausdrücke.
Espresso ist ein täglicher Newsletter mit fünf kurzen Artikeln. Jeder braucht etwa 3 Minuten zum Lesen. Starte damit deinen Tag – es schafft Konsistenz, ohne zu überfordern.
Vermeide zunächst die Special Reports. Sie sind lang, dicht und setzen viel Vorwissen voraus. Komm später zurück, wenn du ein paar Monate durchgearbeitet hast.
Ein letzter Tipp: Lies gegen deine Voreingenommenheit
Hier kommt etwas, das niemand dir sagt. The Economist hat eine klare politische Haltung (zentristisch, pro‑Freier Markt, generell liberal bei Sozialfragen). Wenn du nur Artikel liest, mit denen du übereinstimmst, verpasst du die Hälfte der Lernchance.
Lies Artikel, die deine Ansichten herausfordern. Du triffst auf unbekannte Argumente, neues Vokabular zur Ausdruck dieser Argumente und – am wichtigsten – lernst du, Sprache von Meinung zu trennen. Das ist ein Zeichen echter Sprachgewandtheit.
Bereit, dein Können zu testen? Nach einem Monat regelmäßiger Economist-Lesung probiere unseren kostenlosen Englisch‑Level-Test aus. Er deckt Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen ab – damit du genau sehen kannst, wie sehr deine fortgeschrittene Lektüre deine gesamte Sprachkompetenz verbessert hat.
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