Stop Overthinking — It's Still English
Zuerst erinnere dich daran, dass Shakespeare in Early Modern English geschrieben hat, nicht in einer völlig anderen Sprache. Viele Wörter sind heute noch gleich, manche haben ihre Bedeutung geändert oder sind verschwunden. Dein Ziel ist es nicht, jedes alte Wort auswendig zu lernen. Es geht darum, Muster zu erkennen und anhand des Kontextes zu raten.
Die drei größten Hürden (und wie du sie überwindest)
1. Unbekanntes Vokabular
Shakespeare benutzte Wörter, die seitdem nicht mehr im Gebrauch sind oder ihre Bedeutung geändert haben.
- Thou / thee / thy = du / dein (vertraute Form)
- Wherefore = warum (nicht wo! „Wherefore art thou Romeo?“ bedeutet „Warum bist du Romeo?“)
- Hark = hör zu
- Anon = bald
- Methinks = ich denke
Ein guter Trick: halte eine kleine Liste dieser häufigen Wörter auf deinem Handy oder einem Haftnotiz. Nach ein paar Seiten erkennst du sie sofort.
2. Invertierte Wortstellung
Shakespeare schiebt oft Verben nach vorne oder spielt mit der Satzstruktur für Rhythmus.
“What light through yonder window breaks?”
Im modernen Englisch würden wir sagen: „What light breaks through that window?“ Die Bedeutung bleibt gleich. Lies die Zeile noch einmal und stelle sie mental in Subjekt‑Verb‑Objekt um. Übe mit ein paar Zeilen, dann wird es automatisch.
3. Weggelassene Wörter und Kontraktionen
Er ließ oft Wörter weg, um den Metrum zu passen.
“I am slain” = „Ich wurde getötet“ (nicht wörtlich „Ich bin tot“ – es bedeutet, dass die Handlung gerade passiert ist)
“‘Tis” = es ist
“O’er” = über
Sobald du die Kurzformen kennst, kannst du sie natürlich erweitern.
Ein einfacher Prozess, um jede Zeile zu knacken
Wenn du auf einen verwirrenden Abschnitt triffst, keine Panik. Folge diesen vier Schritten:
Höre den Rhythmus.
Ersetze sie durch moderne Entsprechungen.
Stelle sie in Subjekt‑Verb‑Objekt um.
Sage es in deinen eigenen Worten.
Testen wir das an einer echten Zeile aus Hamlet:
“To be, or not to be – that is the question.”
- Schritt 1: Vorlesen – klingt schon fast modern.
- Schritt 2: Keine alten Wörter hier. Gut.
- Schritt 3: Wortstellung ist normal.
- Schritt 4: Paraphrase: „Soll ich weiterleben oder mein Leben beenden – das frage ich mich.“
Wenn du das ein paar Mal ausprobierst, hörst du die moderne Bedeutung fast sofort.
Nutze eine Gegenübersetzungs‑Version (ohne Schuldgefühle)
Viele Anfänger fühlen sich beim Einsatz einer „modernen englischen“ Version wie Betrüger. Das ist nicht so. Hol dir ein Exemplar des Stücks, bei dem der Originaltext auf der einen Seite und eine einfache Übersetzung auf der anderen steht. Lies zuerst die Übersetzung, dann geh zurück zum Original. Nach ein paar Szenen brauchst du die Übersetzung immer weniger.
Mein Lieblings-Trick: Sieh dir zunächst eine Filmszene an (wie die 1996‑Version Romeo + Juliet mit Leonardo DiCaprio). Du verstehst den Plot und die Emotionen, sodass der Text später viel mehr Sinn macht.
Übe mit kurzen Passagen
Fang mit Sonetten an – sie haben jeweils nur 14 Zeilen. Lies eine langsam, wende die vier Schritte an und paraphrasiere das Ganze in einem Satz. Dann geh zu einem berühmten Monolog (z. B. „All the world's a stage“ aus As You Like It).
Ich habe gesehen, wie Lernende von völliger Verwirrung zum Genuss von Shakespeare in nur ein paar Wochen übergingen. Das Geheimnis ist Geduld und Übung.
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