Einige Jahre zurück hat eine meiner Schülerinnen einen Satz aus einer Forschungsarbeit kopiert, nur zwei Wörter geändert und eingereicht. Sie dachte, das sei Paraphrasieren. Das war es nicht. Ihr Professor wies darauf hin, dass es Plagiat sei, und sie hätte fast die Vorlesung nicht bestanden.
Das ist das Problem beim akademischen Englisch‑Paraphrasieren. Viele Lernende glauben, es bedeutet einfach ein paar Wörter durch Synonyme zu ersetzen. Das stimmt nicht. Wahres Paraphrasieren heißt, eine Idee in deiner eigenen Stimme neu auszudrücken und dabei die ursprüngliche Bedeutung beizubehalten. Wenn du das gut machst, zeigst du, dass du den Stoff wirklich verstehst. Schlecht gemacht, bringst du dich in Schwierigkeiten.
Ich führe dich durch einen klaren Ansatz.
Warum Paraphrasieren im akademischen Schreiben wichtig ist
Du paraphrasierest aus zwei Gründen. Erstens vermeidest du Plagiat. Du kannst nicht einfach alles zitieren – dein Aufsatz wäre ein Patchwork aus fremden Sätzen. Akademisches Schreiben erwartet, dass du mit Quellen interagierst und sie nicht nur kopierst.
Zweitens beweist Paraphrasieren Verständnis. Wenn du einen dichten, komplexen Abschnitt aus einer Fachzeitschrift nehmen und ihn klar in deinen eigenen Worten wiedergeben kannst, demonstrierst du Beherrschung. Das ist eine Fähigkeit, die Professoren bemerken.
Die vierstufige Paraphrasierungsmethode
Viele Studenten springen sofort zur vierten Stufe (Wörter ändern) und lassen die vorherigen ausfallen. Dort liegen die Fehler.
Schritt 1: Lesen, bis du wirklich verstehst
Bevor du etwas schreibst, lies den Originaltext zwei oder drei Mal durch. Schließe das Buch oder minimiere den Tab. Erkläre dir jetzt die Idee in einfachen Worten. Wenn du das nicht kannst, hast du sie noch nicht verstanden.
Probier es jetzt. Hier ein Originalsatz:
Climate change poses a significant threat to coastal ecosystems, as rising sea levels and increased storm frequency erode natural barriers such as mangrove forests.
Kannst du ihn dir ohne Blick auf den Text sagen? Etwas wie: „Küstenregionen sind gefährdet, weil der Klimawandel das Meer steigen lässt und häufiger Stürme verursacht, was schützende Pflanzen wie Mangroven beschädigt.“ Gut. Jetzt bist du bereit.
Schritt 2: Das Original beiseitelegen
Das ist die schwierigste Phase für die meisten Menschen. Halte die Quelle verborgen. Schreibe deine Version ausschließlich auf Basis deines Verständnisses aus Schritt 1. Sie wird nicht perfekt sein – das ist in Ordnung.
Wenn du während des Schreibens noch auf das Original schaust, übernimmst du versehentlich dessen Satzbau und Wortwahl. So entstehen „Patchwork‑Paraphrasen“ – Sätze, die nur leicht umgestaltet sind. Das gilt immer noch als Plagiat an vielen Universitäten.
Schritt 3: Vergleichen und Anpassen
Bringe das Original nun zurück. Prüfe deine Version im Vergleich dazu. Stelle dir drei Fragen:
- Habe ich dieselbe Bedeutung beibehalten?
- Habe ich die Satzstruktur geändert?
- Benutze ich überwiegend meine eigenen Worte?
Wenn du bei einer dieser Fragen „nein“ beantwortest, schreibe diesen Teil neu. Tausche nicht nur Synonyme aus. Baue den Satz komplett um.
Schritt 4: Die Quelle zitieren
Auch wenn du alles in deine eigene Sprache übersetzt hast, musst du die Quelle noch angeben. Paraphrasieren macht die Idee nicht zu deiner – nur die Ausdrucksweise ist das. Füge eine In‑Text‑Zitation gemäß deinem Stilhandbuch (APA, MLA, Chicago usw.) ein.
Drei Techniken, die wirklich funktionieren
Hier sind konkrete Wege, einen Satz über Synonymwechsel hinaus zu verändern.
Satzstruktur ändern. Wenn der Originalsatz mit der Hauptidee beginnt, versuche stattdessen mit einer Bedingung oder einem Ergebnis zu starten.
- Original: „Social media usage among teenagers has increased dramatically over the past decade.“
- Paraphrase: „In den letzten zehn Jahren haben Jugendliche Social‑Media viel stärker genutzt als zuvor.“
Wortart wechseln. Wandle ein Nomen in ein Verb, oder ein Adjektiv in eine Nominalphrase.
- Original: „The implementation of stricter regulations led to a reduction in pollution levels.“
- Paraphrase: „Als die Vorschriften strenger wurden, sank der Verschmutzungsgrad.“
Stimme ändern. Wechsel von aktiv zu passiv oder umgekehrt.
- Original: „Researchers conducted a study on sleep patterns.“
- Paraphrase: „Eine Studie über Schlafmuster wurde von Forschern durchgeführt.“
Häufige Fehler vermeiden
Ich sehe immer wieder dieselben Fehler. Achte darauf:
Synonym‑Überladung. Jeden Inhaltswort durch ein Thesaurus‑Synonym zu ersetzen, erzeugt holprige, unnatürliche Sätze. „Significant threat“ sollte nicht zu „substantial menace“ werden, es sei denn, das klingt in deinem Kontext natürlich. Das ist selten der Fall.
Gleiche Struktur behalten. Schau dir diesen Versuch an:
- Original: „Economic inequality has worsened in many developed nations.“
- Schlechte Paraphrase: „Financial disparity has deteriorated in numerous industrialized countries.“
Die Wörter sind anders, die Struktur identisch. Das ist keine Paraphrase. Ändere das Skelett des Satzes, nicht nur die Haut.
Vergessen zu zitieren. Selbst perfekte Paraphrasen brauchen Zitate. Immer.
Eine kurze Übung
Versuche diesen Satz mit der oben beschriebenen Methode zu paraphrasieren:
Regular physical activity has been shown to improve cognitive function in older adults by increasing blood flow to the brain and promoting neuroplasticity.
Lies nicht weiter. Mache die vier Schritte. Dann vergleiche deine Version mit meiner:
According to recent research, older adults who exercise regularly tend to think more clearly. This happens because physical activity boosts blood circulation to the brain and helps it form new neural connections.
Beachte: Ich habe nicht nur Wörter getauscht. Ich habe einen langen Satz in zwei aufgeteilt, „cognitive function“ zu „think more clearly“ geändert und mit „According to recent research“ signalisiert, dass es jemand anderes ist. Unterschiedliche Struktur, gleiche Bedeutung, korrekt attribuiert.
Teste deine Paraphrasierungsfähigkeiten
Gutes Paraphrasieren braucht Übung. Du wirst es nicht nach dem Lesen eines Artikels meistern. Wenn du jedoch konsequent diese Schritte durchgehst, wirst du besser.
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