Wenn du die Welt des Verlagswesens betrittst, fühlt es sich an, als würdest du eine neue Sprache lernen – selbst wenn alle Englisch sprechen. Lektoren, Autoren und Literaturagenten verwenden alle eine ganz spezielle Fachsprache, bei der Neulinge schnell den Faden verlieren.
Aber weißt du was? Du musst nicht jedes Branchenwort kennen. Nur die, die für deine Rolle wirklich wichtig sind. Ich zeig dir die wesentlichen Englischkenntnisse fürs Verlagswesen, damit du mitreden kannst – ganz ohne Verwirrung.
Vokabular, das jeder Autor braucht
Wenn du als Autor einen Verlag suchst, wirst du diese Begriffe in jedem Gespräch mit Agenten oder Lektoren hören.
Manuskript (MS) – Dein unveröffentlichtes Buch. Ganz einfach. In E-Mails wird es oft als MS (Einzahl) oder MSS (Mehrzahl) abgekürzt. Keine Panik.
„Bitte senden Sie das vollständige Manuskript als Word-Dokument.“
Query Letter (Anfrageschreiben) – Eine einseitige Kurzvorstellung für einen Agenten. Deine Eintrittskarte. Kurz, professionell, auf den Punkt. Niemand liest ein drei Seiten langes Anschreiben.
Slush Pile (Stapel ungelesener Einsendungen) – Der (inzwischen digitale) Stapel unaufgeforderter Manuskripte. Klingt hart, bedeutet aber einfach Manuskripte von Autoren ohne Agenten. Dein Ziel ist es, aus diesem Stapel herauszukommen.
Vorschuss – Geld, das du vor dem Buchverkauf bekommst. Der Verlag setzt auf deinen Erfolg. Erst wenn der Vorschuss „eingespielt“ ist, erhältst du Tantiemen.
Tantiemen – Der prozentuale Anteil, den du pro verkauftem Buch bekommst. Meist 10–15 % bei gebundenen Ausgaben, weniger bei Taschenbüchern und E-Books.
Begriffe, die Lektoren täglich verwenden
Lektoren sprechen eine Mischung aus Grammatik-Fachsprache und Projektmanagement-Jargon. Das hörst du am häufigsten.
Korrektorat vs. Lektorat (inhaltliches Lektorat) – Das ist nicht dasselbe. Das inhaltliche Lektorat betrachtet das große Ganze: Handlungslücken, Figurenentwicklung, Erzähltempo. Das Korrektorat konzentriert sich auf Satzebene: Grammatik, Einheitlichkeit, Zeichensetzung. Wenn du einen Lektor beauftragst, musst du wissen, welchen du brauchst.
Style Guide (Stilrichtlinien) – Ein Regelwerk für Rechtschreibung, Zeichensetzung und Formatierung (z. B. Chicago Manual of Style). Jeder Verlag hat einen. Lektoren setzen ihn wie Schiedsrichter durch.
Line Edit (stilistische Überarbeitung) – Eine Mischung aus Korrektorat und inhaltlichem Lektorat. Der Lektor geht Zeile für Zeile vor, strafft den Text und verbessert den Lesefluss, ohne die Handlung zu verändern.
Autorenfragen – Fragen, die der Lektor an dich schickt. „Meinten Sie das?“ oder „Diese Zeitlinie passt nicht – bitte klären.“ Du beantwortest sie in den Manuskripträndern.
Die Sprache der Literaturagenten und Verlagsverträge
Agenten arbeiten auf der kommerziellen Seite. Ihr Vokabular dreht sich um Rechte, Geld und Verträge.
Pitch (Kurzvorstellung) – Eine mündliche Zusammenfassung deines Buches in 30 Sekunden oder weniger. Allein daran entscheiden Agenten, ob sie mehr lesen wollen.
Rechte – Die rechtliche Erlaubnis, dein Werk zu veröffentlichen, zu verbreiten oder zu adaptieren. Nebenrechte umfassen Hörbücher, Verfilmungen und Übersetzungen. Auslandsrechte betreffen den Verkauf deines Buches in anderen Sprachen.
Provision – Der Anteil des Agenten (meist 15 % bei Inlandsverkäufen, 20 % bei Auslandsgeschäften). Sie bekommen erst Geld, wenn du Geld bekommst.
Optionsklausel – Eine Vertragsklausel, die dem Verlag das erste Recht einräumt, dein nächstes Buch zu kaufen. Üblich, aber verhandelbar.
Remittenden / Restbestände – Wenn sich ein Buch schlecht verkauft, verkaufen Verlage die Restbestände stark reduziert. Oft das Ende des kommerziellen Lebens eines Buches – bis du das nächste schreibst.
Hier siehst du kurz den typischen Weg von der Idee bis ins Regal und wie die einzelnen Beteiligten zusammenhängen:
Warum dieses Vokabular wirklich wichtig ist
Im Verlagswesen basiert alles auf Beziehungen. Wenn du mit einem Lektor über ein „Zeilenlektorat“ sprichst und er antwortet mit „Korrektorat“, verschwendet ihr Zeit. Wenn du einen Agenten nach „Nebenrechten“ fragst und er denkt, du meinst etwas ganz anderes, wirkst du unvorbereitet.
Das richtige Verlagsvokabular auf Englisch zu kennen, ist keine Show. Es geht darum, schneller zum eigentlichen Gespräch zu kommen – dem über deine Geschichte und wie sie in die Hände der Leser gelangt.
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